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LUMARA – Vernissage "Broken Windows" und "Underground Beauties"

 

Seit einiger Zeit präsentiert der Wiesbadener Fotokünstler Lumara in den Galerieräumen des thalhaus seine thematisch gegliederten Foto-Serien „Stadt-Spuren“ in Form einer Dauer-Ausstellung. Zurzeit schmücken seine Foto-Serien „Décollages“ und „Underground Beauties“ die Wände.
Lumaras Interesse gilt unbeachteten und vernachlässigten Strukturen im urbanen Raum, seinen „Stadt-Spuren“. Dabei sucht er Gegenden auf, die seit langem ein Schattendasein im gesellschaftlichen Abseits führen. Dort finden sich, allerdings immer seltener, verwitterte und verblichene Strukturen, die eine unbeabsichtigte, aber bemerkenswert ästhetische Qualität besitzen. Solche Motive findet Lumara in maroden Stadtteilen europäischer Metropolen (London, Paris, Rom, Frankfurt), in Gassen, Durchfahrten und Hinterhöfen. Er bewegt sich bei seiner Suche also im „urbanen Off“. Er fordert den Betrachter seiner Foto-Arbeiten dazu auf, sich nicht nur orientierend in der Welt zu bewegen, sondern die Dinge in seiner Umgebung bewusst wahrzunehmen und ihren ästhetischen Wert zu erkennen.
In der Foto-Serie „Décollages“ bezieht sich der Fotokünstler ausdrücklich auf die Décollage-Künstler Jacques Villeglé, Raymond Hains, Francois Dufrêne und Mimmo Rotella. Diese haben in den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts unseren Blick für das „Besondere im Banalen“ (l’art de n’importe quoi) geschärft und ein damals revolutionäres Werk geschaffen.
Die Serie „Underground Beauties“ besticht durch ihre geheimnisvoll-mystische Atmosphäre: Fremdartige, verblichene Wesen, wie Zombies aus einem Geisterhaus, drängen sich an stählerne Gitter und „sehnen sich“ nach Licht und Freiheit. Das jedoch bleibt ihnen dauerhaft verwehrt und trägt damit zu einer permanenten, latenten Spannung beim Betrachten dieser Foto-Arbeiten bei.
Bei Lumaras Foto-Serien liegt der besondere Reiz der Motive in der sensiblen Balance zwischen Makellosigkeit und Zerstörung. Umweltelemente wie Licht, Luft, Wetter und Wind haben die Motive in ihrer Form, Struktur und Farbigkeit stark verändert, aber noch nicht vollständig zerstört. Die Summe der Einflüsse, in Verbindung mit dem Faktor Zufall, ergibt Formen und Strukturen, die auf anderem Wege nicht zustande kommen würden. Dadurch erhalten diese Motive ihre Einzigartigkeit.
Lumara wurde durch seinen Vater früh in die Fotografie eingeführt, wurde durch ihn auf Wanderungen zu „bewusstem Sehen“ der Natur und zur Beachtung von Einzelheiten (das „Blümchen am Wegesrand“, das Gesicht in Wurzel-Gebinden) angeleitet. Am Gymnasium war er Schüler des späteren Zero-Künstlers Heinz Mack, als Jugendlicher hatte er in Düsseldorf erste Begegnungen mit der Kunstszene (Zero-Gruppe, Josef Beuys, Palermo, Yves Klein). Während seines Psychologie-Studiums in Bonn arbeitete er mit dem Künstler Ferdinand Just zusammen und entdeckte dabei die Kunstrichtung des Informel (Abstraktion). In den 70er Jahren begegnete er bei einem zweijährigen USA-Aufenthalt aktueller amerikanischer Kunst (Pop Art) und intensivierte seine Fotografie (Live-Fotos von Marlene Dietrich, Lou Reed und den Rolling Stones). Sein zunehmendes Interesse an der „Ästhetik des Verfalls“ ließ ihn seit Mitte der 90er Jahre die Randbereiche europäischer Metropolen – besonders Paris – fotografisch erkunden. Seit 2000 entwickelte er zahlreiche Foto-Serien unter dem gemeinsamen Titel „Stadt-Spuren“, die er mittlerweile in mehr als 24 Einzel-Ausstellungen in zehn Städten präsentiert hat.

 

Details

Datum:

Sonntag, 26.09.21

Uhrzeit:

15:00 Uhr

Ort:

thalhaus Theater, Wiesbaden

Ticketpreise:

Hinweise

Eintritt frei !

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